Ein Anker in deinem Leben

Veröffentlicht von Angelika Hohm am

Liebe Emina,

erst jetzt erfuhr ich in aller Ausführlichkeit von deinen Eltern, wie es dir tatsächlich mit den oft wechselnden Schulbegleitern geht. Sicher hat jeder nach seinem kurzen Aufenthalt an deiner Seite tiefgreifende Gründe wieder fortzugehen. Doch keiner kann nur annähern verstehen, wie es dir mit ständig wechselnden Bezugspersonen geht. Selbst du kannst deine Gefühle weder richtig deuten noch ausdrücken. Deine Unruhe, deine Ängste, deine Enttäuschungen explodieren in dir, kommen in Form von Wutausbrüchen und Aggressionen zum Vorschein.

Du hast in diesen Momenten niemanden an deiner Seite, der dir Trost spenden kann, der dich beruhigt. Deine Eltern können dich am Wochenende nach der Zeit in einer betreuten Wohngruppe nur in einer totalen Erschöpfung in die Arme nehmen. Und sie können wieder nur vermuten, wie es dir emotional geht. Keiner aus der Einrichtung erklärt sich umfassend dazu.

Was machst du in solchen Momenten durch? Ich vermag es mir nicht vorzustellen – es bricht mir das Herz.

Ein Hoffnungsschimmer ist der von dir so benannte „Manni“.

Manni ist ein 7monatiger Mischlingsrüde, der dein treuester Freund werden könnte, wenn nicht gravierende Umstände im Umfeld der Hundetrainerin zum Aus in der Erziehung und Ausbildung zum Assistenzhund aufgetreten wären. Manni hatte dich schon zweimal besucht. Ich hatte den Eindruck, ihr könntet beste Freunde werden.

Wobei kann Manni dich unterstützen, dir helfen, an deiner Seite als Freund sein?

Manni beruhigt dich in emotionalen Stresssituationen – du streichelst ihn, er legt seinen Kopf in deine Hände.

Ihr spürt einander.

Manni spendet dir Trost – wie toll wäre es, er könnte dich zur Schule begleiten. Besonders die 30minütige Fahrt zur Schule ohne Schulbegleiter belastet dich sehr.

Manni wird von dir gestreichelt, geklopft, gezogen – er schmust mit dir trotzdem.

Er verträgt deine Grobmotorik. Manni wertet nicht – er ist für dich da. Manni ist dein Freund – schon jetzt versteht er dich.

Die Frage steht im Raum: wie geht es weiter? Manni bleibt nun bei dir und benötigt eine Ausbildung zum Therapie- oder Assistenzhund. Deine Eltern wollen versuchen, deinen Manni zu erziehen, ihm beizubringen, dass er dich beschützt.

Eine große Herausforderung.

Liebe Emina, ich hoffe sehr, dass dies gut gelingt und Manni dir ein treuer Freund werden kann.

Die Bilder mit Manni zeigen dich in glücklichen Momenten. Ich wünsche von ganzem Herzen, dass du viele dieser Momente mit Mannis Hilfe erleben darfst.

Deine Oma

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Angelika Hohm

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